Mobile Viren – Hype oder echte Bedrohung?
Issured at : 01/08/2005 By securitymanager.de
Eine Gruppe von
Forschern hat das Risikopotenzial mobiler Viren unter die Lupe genommen. Den
Erkenntnissen zufolge stehe diese kurz vor dem Durchbruch.
Mobile Systeme wie
Notebooks, PDAs und - immer mehr im Trend - Smartphones sind aus der aktuellen
Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken. Wurde anfänglich im Wesentlichen mobil
telefoniert, wird es immer mehr zur Selbstverständlichkeit, Daten von unterwegs
zu synchronisieren, zu versenden oder über Internet auf das mobile Endgerät zu
laden.
Einige Zahlen: Laut Computer Industry Almanac betrug die Zahl der weltweit
installierten Notebooks 2004 etwa 200 Millionen, in Sachen PDAs zählt Gartner
für Q1 2005 weltweit 3,4 Millionen verkaufte Geräte, davon 55% mit
Wireless Lan- oder
Telefonie-Fähigkeit. Während laut IDC die Verkaufszahlen von PDAs in den letzten
Quartalen zwar rückläufig sind (der PDA-Markt im ersten Quartal 2005 schrumpfte
um 12,1 Prozent), verzeichnen Smartphones eklatante Absatzsteigerungen.
Smartphones, die Konvergenz zwischen Computer und mobilem Telefon, können nicht
nur
telefonieren und SMS oder MMS
versenden, sondern auch auf Netzwerke zugreifen, E-Mails empfangen und versenden
oder sogar Office-Dokumente verarbeiten. Oft ist das Smartphone gleichzeitig
Digicam, MP3-Player oder sogar GPS-Empfänger. Der Verkauf dieser intelligenten
Geräte stieg im dritten Jahr in Folge mit 135 Prozent um über hundert Prozent
auf weltweit 8, 4 Millionen Stück. Bis Ende 2008 erwartet IDC weltweit eine
Verbreitung von etwa 130 Millionen Smartphones, ABI Research schätzt, dass 2010
jedes fünfte Handy ein Smartphone sein wird.
Mobile Viren
Doch bringen die mobilen Endgeräte nur Segen oder geht von ihnen gleichzeitig
eine neue Gefahr aus? Die Frage nach der Sicherheit dieser Systeme selbst, aber
auch die der involvierten Firmennetzwerke bleibt nicht aus. Das Gros aller
Unternehmen sind mittlerweile sensibilisiert für das Thema IT-Security und haben
für ihre internen IT-Lösungen entsprechende Schutzvorkehrungen getroffen. Doch
Smartphones und andere mobile Engeräte machen aus begrenzten Unternehmen
grenzenlose Unternehmen und erfordern damit das Überdenken bestehender
Schutzmechanismen. Schließlich muss das fundamentale Sicherheitsprinzip die
Triade „Verfügbarkeit – Vertraulichkeit – Integrität“ auch in Zeiten zunehmender
Mobilisierung gewährleistet bleiben. Dass
mobile Geräte für Virenautoren
attraktiv sind, beweisen die ersten Malware-Vertreter für diese – Viren, Würmer
und Trojaner, die in den letzten Monaten entdeckt wurden. Die bisherigen
Smartphone-Schädlinge wie der Wurm Cabir, der Trojaner Skulls oder der Gavno-Virus
gehen ursprünglich auf so genannte "Proof-of-Concept"-Entwicklungen zurück, mit
denen Hacker "nur" die prinzipielle Angreifbarkeit eines Betriebssystems unter
Beweis stellen wollen. Doch der Weg zu Viren, die zu massiven, finanziellen
Schäden führen, indem sie beispielsweise selbständig kostenpflichtige
SMS-Dienste abonnieren oder unaufgefordert teure Telefonverbindungen aufbauen,
ist nicht weit.
Marktanteile locken Virenschreiber
Betrachtet man eine Plattform aus Sicht der Virenschreiber, kann von einer „Attraktivitäts-Triade“
gesprochen werden: „Verbreitung – Offenheit – Sicherheitslücken“. Handys
arbeiten üblicherweise unter einem proprietären Betriebssystem des jeweiligen
Herstellers, während bei Smartphones standardisierte Betriebssysteme zum Einsatz
kommen, die auf verschiedenen Gerätetypen gleichermaßen funktionieren und somit
eine größere Verbreitung haben. Je weiter ein Betriebssystem verbreitet ist, je
offener es für die Installation von Drittanbieterprogrammen gehalten wird und je
mehr Angriffsflächen es in Form von Sicherheitslücken bietet, desto mehr Hacker
und Virenschreiber werden sich daran versuchen.
Im dritten Quartal 2004 liefen 50,2% aller Smartphones unter dem Betriebssystem
Symbian – dem konsequenterweise zur Zeit am häufigsten attackierten
Smartphone-Betriebssystem – 20,2% unter Pocket PC und 16,9% unter Palm OS. Um
ihren Kunden vielfältige Möglichkeiten zu offerieren, bieten die meisten
Smartphone-Hersteller Partnern und Lizenznehmern diverse Application Programming
Interfaces (APIs) sowie Software Development Kits und unterstützen zur
Entwicklung von Zusatzapplikationen Standardsprachen wie C++ und Java. Die
Kehrseite der Medaille: auch Entwickler von Malware nutzen diese Offenheit für
ihre Zwecke.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Risiko neben hohen Marktanteilen des
Betriebssystems mit zunehmender Leistungsfähigkeit, einer großen Anzahl von
Drittapplikationen sowie einem weit verbreiteten Wissen zur Programmierung
steigt. Das Smartphone-Betriebssystem Symbian hat es vor allem seinen hohen
Marktanteilen zu verdanken, dass es zur Zeit das beliebteste Ziel mobiler
Attacken ist. Zur oben genannten Attraktivitäts-Triade gesellt sich im Fall der
mobilen Endgeräte noch ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor hinzu:
Smartphones greifen per Definition auf ein schnelles Verbreitungsmedium zurück,
über das der Schadcode schnell in LANs, WLANs und das Internet gelangen kann.
Auf die kritische Masse
vorbereiten
Je weiter also die Entwicklung und Verbreitung von Smartphones voranschreitet,
desto wichtiger wird es, sich über sicherheitsrelevante Gegebenheiten Gedanken
zu machen. Und zwar im Vorhinein, bevor die kritische Masse an
Smartphone-Verkäufen erreicht und damit die Gefährdung potenziert ist. Geschieht
dies nicht, können die Folgen mannigfaltig sein: ungewollte Zugriffe auf
Firmennetzwerke mit häufig nicht vorhersehbaren Konsequenzen sowie hoher
Supportaufwand für die betroffenen Anwender. Für Provider kann ein - aus Sicht
der Schadcode-Autoren - gelungener Virenbefall zum Zusammenbruch von Netzwerken,
extrem hohem Support-Aufwand für die betroffenen Anwender sowie gebremstem
Marktwachstum durch Vertrauensverlust der Anwender führen.
Mobile Geräte im Sicherheitskonzept
Um derartigen Angriffen nicht wehrlos ausgeliefert zu sein, gilt es die
klassischen Sicherheitsprämissen auch für Smartphones umzusetzen. Von Seiten der
Smartphone-Hersteller werden Sicherheitsmaßnahmen wie die Freischaltung der
Anwendungen durch die Benutzer, signierte Applikationen sowie
Zugriffsbeschränkungen auf bestimmte Dienste für unsignierte Applikationen
eingerichtet.
Unternehmen können sich
schützen, indem sie mobile Systeme in die Sicherheitspolitik des Unternehmens
einbinden.