Handy-Viren und Handy-Dialer
Issured at : 01/05/2009 By www.computerbetrug.de
Handy-Viren und Handy-Dialer haben beste
Chancen, die Schädlinge der Zukunft zu werden. Rund 100 Millionen Mobiltelefone
sind aktuell in Deutschland angemeldet. Grund genug für Kriminelle, Handys
verstärkt ins Visier zu nehmen. Wie Sie sich und Ihr Mobilfunkgerät schützen
können, zeigen wir Ihnen in diesem Kapitel.
Handy-Viren und Handy-Dialer:
Was ist das?
Unter Handy-
Dialern versteht man
Programme, die sich auf dem Mobiltelefon einnisten und dann hoch tarifierte
Verbindungen herstellen. Dabei kann es sich um teure Telefonverbindungen
handeln. Ebenso möglich ist aber auch der Versand von hoch tarifierten Premium
SMS oder MMS (Multimedia-Kurznachrichten).
Handy-Viren funktionieren ähnlich. Wenn
Verbindungsherstellung oder
SMS-Versand
vom Nutzer unbemerkt und ungewollt vonstatten gehen, handelt es sich um
Schadprogramme (Malware), die je nach Ausformung auch als Handytrojaner oder
Handyvirus, bzw. Handyviren bezeichnet werden. Enthält das Programm eine
Funktion, über die es sich selbst - etwa über automatischen Selbstversand -
weiterverbreiten kann, ist von einem Handy-Wurm die Rede.
Die Grenzen zwischen den verschiedenen
Formen von Handy-Schädlingen sind allerdings noch fließend.
Wie verbreiten sich Handy-Dialer
und Handy-Viren?
Moderne Mobiltelefone haben viele
Schnittstellen. Die Folge ist, dass Schadprogramme wie Handy-Viren und
Handy-Dialer auch mehr Möglichkeiten haben, sich zu verbreiten. Als
Schnittstellen für die Infektion eines Handys können Bluetooth, SMS, aber auch
der Download z.B. über eine eingesetzte SIM-Card dienen. In vielen Fällen spielt
auch das so genannte Social Engineering eine Rolle: Das Schadprogramm aktiviert
sich also nicht selbst, sondern bringt den Handybesitzer durch Irreführung dazu,
die Aktivierung vorzunehmen. Zudem haben die Betriebssysteme von Mobiltelefonen,
namentlich Windows CE und Symbian, bestimmte Sicherheitslücken, welche die
Verbreitung und Installation von Schadprogrammen begünstigen.
Formen von Handy-Dialern und
Handy-Viren
Zumindest bis jetzt (Stand: 2008/2009) ist
die Zahl von Programmen dieser Art überschaubar, ebenso die Zahl der konkreten
Schadensfälle.
Als erster Handy-Virus ging
Cabir
in die Geschichte ein. Dieser Virus verbreitete sich über Bluetooth: Sobald das
Handy angeschaltet wurde, verschickte sich Cabir selbstständig an Geräte mit
offener Bluetooth-Anbindung in der Nähe.
Der erste Dialer-Trojaner für Handys
verbreitete sich ebenfalls im August 2004, damals auf Mobiltelefonen mit dem
Symbian-Betriebssystem Series 60. Der Trojaner verschickte ohne das Wissen des
Handybesitzers SMS und steigert so die Telefonrechnung kräftig. Das
Schadprogramm versteckte sich dabei in einer Raubkopie des Handy-Games
Mosquitos, einer Moorhuhn-Variante des deutschen Entwicklers Ojom. Dabei
handelte es sich freilich noch nicht um einen bewusst entwickelten Handy-Dialer:
Der teure SMS-Versand war Medienberichten nach die Folge einer fehlgeleiteten
Kopierschutzfunktion.
Konkreter wurde die Gefahr schon im
Frühjahr 2005 mit dem Programm
ComWarrior. Dieser Wurm tarnte sich hinter
einer MMS-Nachricht. Öffnete man den Anhang, begann ComWarrior (ComWar)mit
seiner Schadfunktion - der Weiterverbreitung per Versand an alle
Adressbucheinträge des infizierten Handys. Dadurch konnten dem betroffenen
Telefonbesitzer - je nach Umfang seines Handy-Adressbuchs - horrende Schäden
entstehen. In einem im Januar 2006 bekannt gewordenen Fall beklagte ein
Betroffener einen Schaden von 400 Euro. Auch er hatte ganz offensichtlich nicht
bemerkt, dass sein Handy plötzlich und ungewollt etliche teure MMS verschickte.
Im Februar 2006 brachte dann ein Trojaner
mit Namen J2ME/RedBrowser.A
arglose Kunden der russischen Mobilfunkbetreiber MTS, Beeline und Megafon um ihr
Geld. Wie der Antivirus-Hersteller Kaspersky berichtete, musste der 54482 Byte
große Schädling als gewöhnliches Java-Archiv mit Namen "redbrowser.jar" auf
Handys wie eine normale Applikation installiert und ausgeführt werden. Einmal
gestartet gab der Handy-Dialer in einer auf Russisch verfassten Anleitung vor,
WAP-Seiten per SMS ohne Datenverbindung abrufen zu können, wobei die ersten fünf
Megabyte beziehungsweise 650 SMS kostenlos seien. Statt der WAP-Seiten bekam der
Handybesitzer allerdings eine überhöhte Telefonrechnung präsentiert, da die
gewählten netzinternen Premium-SMS-Nummern mit rund fünf US-Dollar pro Nachricht
abgerechnet wurden. Deutsche Kunden waren von diesem Dialer nicht betroffen.
Im April 2006 tauchte
RommWar
erstmals auf. Der Trojaner überschrieb bei der - manuellen - Installation eine
Systemdatei und sorgt dafür, dass diese beim nächsten Neustart des Handys
ausgeführt wird. In der Folge sorgte RommWar dafür, dass bestimmte
Gerätefunktionen ausfielen oder das Mobiltelefon überhaupt nicht mehr startete.
Botnetze durch Handy-Trojaner
Ab 2008 gerieten dann auch Handy-Trojaner
ins Visier, die dazu geignet waren, regelrechte Bot-Netze zu bilden. In diesem
Fall könnten tausende und zehntausende Mobilfunkgeräte von einem Dritten, dem
"Lenker" der infizierten Geräte, dazu missbraucht werden, einen Angriff auf ein
Mobilfunknetz zu starten und dieses sogar lahm zu legen. Ziel der Aktion: Der
Täter, der die Handys mit Trojanern infiziert hat, könnte die Betreiber von
Mobilfunknetzen erpressen nach dem Motto "Zahlt, sonst lasse ich einen Angriff
auf euer Netz starten."
Welche Handys sind betroffen?
Handy-Dialer und ähnliche Schadprogramme
benötigen ein leistungsfähiges Betriebssystem, um funktionieren zu können.
Insofern sind alle moderneren Mobiltelefone (Smart-Phones) betroffen.
Grundsätzlich gilt: Je mehr Möglichkeiten ein Handy hat, umso mehr Möglichkeiten
haben auch
Viren, Trojaner und
Dialer, das Gerät zu infizieren und darauf aktiv zu werden.
Woran erkenne ich, dass mein
Handy infiziert ist?
Da die Zahl der Schadprogramme für
Mobiltelefone bislang gering ist, lässt sich hier keine generelle Aussage
treffen.
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Ein Alarmsignal ist mit
Sicherheit, wenn Ihr Mobiltelefon ungewollt und ohne äußeren Einfluss
plötzlich mit dem Versand von SMS, MMS oder Premium-SMS beginnt, bzw.
Telefonverbindungen herstellt. Erkennbar ist dies entweder an den bekannten
akkustischen Signalen (Pieps-Ton) oder am plötzlichen Aufleuchten des
Displays.
-
Ein ganz konkretes Anzeichen für
einen Dialer- oder Trojaner-Befall sind natürlich unerwartete Posten auf der
Mobilfunkrechnung. Tritt hier eine massive Häufung von Ihnen unbekannten
Verbindungen oder Posten für den Kurznachrichten-Versand auf, sollten Sie
misstrauisch werden. Das gilt vor allem dann, wenn Sie kurz zuvor neue
Programme auf Ihrem Smart-Phone installiert haben oder Kurznachrichten (MMS)
von Ihnen unbekannten Absender erhalten und geöffnet haben.
Schutz vor Handyviren und
Handydialern
Aktuell sind keine Handyviren oder
Handydialer bekannt, die sich selbst auf dem Mobilfunkgerät installieren und
aktivieren. Insofern ist der beste Schutz gesundes Misstrauen und eine gewisse
Vorsicht.
-
Installieren Sie auf Ihrem
Mobiltelefon niemals Programme, deren Herkunft und Funktionsweise Sie nicht
kennen.
-
Schalten Sie die
Bluetooth-Verbindung an Ihrem Handy aus. Aktivieren Sie diese nur, wenn Sie
sie wirklich benötigen und deaktivieren Sie sie anschließend wieder.
-
Denkbar ist auch der Schutz
durch spezielle Antiviren-Software für Handys. Eine Übersicht über die
gängigen Programme finden Sie bei unseren Downloads. Dialer- oder
Einwahlblocker für Mobiltelefone sind bislang nicht auf dem Markt.
Ausblick und Entwicklung
Die weiter
zunehmende Verbreitung von mobilen Endgeräten wie Handys und die damit
verbundenen neuen Möglichkeiten machen es sehr wahrscheinlich, dass auch die
Zahl der auf Mobiltelefone spezialisierten Schadprogramme zunehmen wird. Damit
verbunden werden sich dubiose Anbieter auch neue Formen der Abzocke überlegen.
Voraussetzung für eine Verbreitung von kostspieligen Handy-Dialern wird
allerdings sein, dass sich die Täter Möglichkeiten der Gewinnabschöpfung
schaffen - dass sie also unmittelbar und finanziell von den Schadfunktionen
profitieren können. Dies könnte sowohl bei Premium SMS, als auch bei der
Telefonie über Premium-Nummern gelingen.